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Freitag, 30. Mai 2008

Wenn Skopje uns nicht entgegenkommt...

FYROM muss seine feindlichen Aktivitäten beenden: Ein Zuruf am Vortag der mazedonischen Parlamentswahlen – und eine Antwort auf Detlef Kleinerts Kommentar „Griechische Agitation“ (21.Mai).

Nach den Umwälzungen in Zentral- und Südosteuropa war Griechenland als jahrelanges Mitglied der EU und der Nato besonders bemüht, seine guten Dienste als Stabilitätsfaktor auf dem Balkan anzubieten und aktiv bei der Eingliederung aller Staaten der Region in beiden Institutionen mitzuwirken. Nach dem Gipfeltreffen der Nato in Bukarest bleibt immer noch ein wichtiges Kapitel offen, nämlich die Einladung an die ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien, der euroatlantischen Familie beizutreten. Während des letzten Gipfeltreffens wurde einstimmig bestätigt, dass die Lösung des Problems des Namens der ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien (FYROM) eine Voraussetzung für die Eingliederung des obigen Staates in die Allianz ist.

Konkreter gesagt betont die gemeinsame Erklärung, dass in Bezug auf den Namen im Rahmen des UN-Prozederes keine Lösung gefunden und daher vereinbart wurde, dass eine Einladung an die ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien ergehen wird, sobald für die Namensfrage eine beiderseits annehmbare Lösung gefunden worden ist. Wir sprechen uns dafür aus, die Verhandlungen unverzüglich wiederaufzunehmen, und erwarten, dass sie so bald wie möglich abgeschlossen werden. Identisch ist auch die Einstellung der EU bezüglich des Namens. Im Text der Partnerschaftsbeziehungen zu FYROM wird explizit auf die Verpflichtung von Skopje hingewiesen, gutnachbarschaftliche Beziehungen zu pflegen und Aktionen zu vermeiden, die diese beeinträchtigen würden.


Verdrehung der Wahrheit

Einige versuchen, diese Zwistigkeit als eigensinniges und absurdes Vorhaben Griechenlands zur zwanghaften Namensänderung dieses Landes zu deuten. Dies jedoch wäre nicht nur eine Vereinfachung des Problems, sondern sogar eine Verdrehung der Wahrheit. Die ehemalige südlichste Teilrepublik Jugoslawiens ist eine Region, die bis 1944 Süd-Serbien und Vardarprovinz (Vardaska Banovina) genannt wurde. Tito und Stalin initiierten damals die Politik des „Mazedonismus“, die Teile des griechischen Territoriums beanspruchte. Diese Politik wurde in ihren Leitlinien konsequent bis heute von den jeweiligen Regierungen in Skopje fortgeführt, welche zuweilen, offen oder verdeckt, Territorialansprüche auf eine Region Griechenlands erhoben haben, die seit 3000 Jahren mit der Geschichte Griechenlands eng verbunden ist und in der 2,5 Millionen mazedonische Griechen leben. Diese machen fast 25 Prozent der Landesbevölkerung aus.


Statt Griechenkreuz ein Hakenkreuz!

Auf offiziellen Landkarten und Publikationen der Militärakademie von Skopje sowie in Schulbüchern und in führenden Medien erscheinen die griechische Provinz von Mazedonien und ihre Hauptstadt Thessaloniki als Teil der ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien. Im konkreten Fall ist die Rede von einem „ägäischen Mazedonien“, welches als „besetztes Gebiet“ der FYROM erscheint und eines Tages befreit werden muss. Ein großes Plakat im Zentrum von Skopje hatte sogar absichtlich vor kurzer Zeit das Kreuz auf der griechischen Fahne durch ein Nazi-Hakenkreuz ersetzt. Dies ist nicht nur beleidigend für die griechische Geschichte, sondern auch für die Opfer des Holocaust.

Es wäre auch nützlich zu erwähnen, dass 116 Republikaner und Demokraten, Mitglieder des US-Kongresses, vor kurzem die Resolution 356 verabschiedeten, die den Willen des Repräsentantenhauses zum Ausdruck bringt und erklärt, dass FYROM aufhören muss, feindliche Aktivitäten und Propaganda gegen Griechenland zu führen, und mit der UNO und Griechenland zusammenarbeiten muss, um einen beiderseits akzeptierten Namen zu finden.

Mehr als 80 Prozent der Griechen vertreten die Auffassung, dass der Name des Nachbarlandes nicht den Begriff „Mazedonien“ beinhalten darf. Dennoch hat die griechische Regierung, um die Verhandlungen zu beschleunigen und zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen, als Basis einen zusammengesetzten Namen vorgeschlagen, der den Begriff „Mazedonien“ mit einer klaren geografischen Bezeichnung beinhaltet.

Dies ist griechischerseits ein sehr großer und konstruktiver Schritt in Richtung eines wechselseitig akzeptablen Kompromisses, zu dem wir uns nicht leicht durchgerungen haben. Leider wurde dieser Schritt nicht von der Gegenseite anerkannt, die immer noch auf einer unnachgiebigen Einstellung beharrt. Wir erwarten, dass Skopje auch einen Schritt nach vorn macht, damit wir uns auf halbem Weg entgegenkommen, um dieses ausstehende Thema, das unsere Beziehungen sowie die weitere Gegend belastet, ein Ende zu setzen.


Exportierter Nationalismus

Griechenland hat nie versucht, Nachbarn zu erniedrigen. Dennoch darf Nationalismus, verbunden mit irredentistischen Anforderungen, nicht exportiert werden. Griechenland lädt FYROM ein, die nötige Entschlossenheit zur Lösung der Namensfrage zu zeigen, um den Nato-Beitritt zu ermöglichen. Dies gilt auch für den künftigen EU-Beitritt, sobald die Voraussetzungen und vor allem jene der gutnachbarschaftlichen Beziehungen erfüllt werden. In den vergangenen Wochen befand sich unser Nachbarland in sehr intensiver, von hohen Tönen geprägten Vorwahlstimmung. Wir hoffen, dass FYROM nach der Regierungsbildung der Einladung Griechenlands für aufrichtige Verhandlungen im Rahmen der UNO folgt, um die Namensfrage ein für alle Mal in ihrer Balkan-Vergangenheit einzuordnen.

Panayotis Zografos, geb. 1954 in Athen, ist seit 2007 Botschafter Griechenlands in Österreich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2008)

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