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Samstag, 20. Februar 2010

Im Griff der Bankster

Nicht Griechenland mit einem akuten Haushaltsdefizit ist das Problem, sondern das gewissenlose Profit-streben der Banken. Sie verdienen an den EU-Pleitiers besonders gut

Die Finanzkrise privater Banken ist zur Fiskalkrise souveräner Staaten geworden. In Island waren es noch die wild spekulierenden Finanzinstitute der eisigen Insel, die das Land fast in den Bankrott rissen. Im tiefen europäischen Süden sind es keine griechischen Banken, sondern die Global Players aus Deutschland, den USA, Großbritannien und der Schweiz, die eine extreme Verschuldung finanziert haben. Warum wohl? Weil der griechische Staat dafür sorgt, dass aus seinem Nationaleinkommen ein steter Strom des Schuldendienstes an die privaten Kreditgeber abgezweigt wird.
Für die großen Privatbanken und ihren Tross von Rating-Agenturen ist das Geschäft mit den Schuldtiteln von Staaten höchst lukrativ. Es setzt aber voraus, dass sich Staaten verschulden, weshalb Goldman Sachs bei der griechischen Verschuldung kräftig nachgeholfen hat. Nur dann können Schulden verbrieft, zu strukturierten Papieren gebündelt und auf globalen Märkten profitabel gehandelt werden. Wie erfolgreich sie dabei waren, beweisen die Milliardenprofite, die von den Ackermännern der globalen Finanzplätze seit der Krise 2008 vermeldet werden. Und der normale Bürger fragt sich, woher der Geldsegen nach der verlustreichen Finanzkrise, die ihn Hunderte von Milliarden Euro gekostet hat, wohl stammen mag? Die Antwort ist: Aus Griechenland, Dummerchen, wenn auch nicht nur von dort. Dazu wäre das Land mit 2,5 Prozent des EU-Bruttoinlandsprodukts eine Nummer zu klein.
Mit anderen Worten: Ohne die Verschuldung Portugals, Italiens, Irlands, Griechenlands und Spaniens (PIIGS-Gruppe) und einiger anderer Länder in der Welt könnte das Geschäftsmodell der Banken gar nicht florieren. Die Bankster hätten keinen Grund, über Profite, Prämien und Boni zu jubilieren. Die Wertpapiere der einen verlangen die Verschuldung der anderen. Das ist so einfach, dass selbst ein deutscher Regierungssprecher dies verstehen sollte. Allerdings – das ist schon schwieriger zu begreifen – müssen die Schulden ordentlich bedient werden, damit die Schuldtitel ihren Wert behalten und keinen giftigen Schimmel in den Bankbilanzen ansetzen. Wenn am reibungslosen Schuldendienst gezweifelt wird, kommt Panik ins „Börsenspiel der modernen Bankokratie“, wusste bereits Karl Marx, als er sich über die Rolle der Staatsschulden bei der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals ausließ. Heute beobachten private Rating Agenturen die „Performance“ der PIIGS und schlagen, wenn der Schuldendienst in Frage steht, auf die Zinsen der Staatsschuld einen Risikozuschlag als „Spread“. Damit steigen die Gewinne der Banken, und die Last der Staatsschulden wird immer größer.

Quelle: Der Freitag
Hier die Fortsetzung

Sehr guter Hintergrundbericht über die Machenschaften der Banken.

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